1913: Errichtung eines Denkmalsteins in Reddelich

Anlässlich des 100. Jahrestages der Völkerschlacht bei Leipzig wurde im Oktober, auf Initiative der Reddelicher Kameradschaft des Reichskriegerbundes Kyffhäuser e.V., ein Denkmal gestiftet.
Der Kyffhäuserverein sowie der Gesangsverein feierten den Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig als Volksfest. Vormittags fand ein Festgottesdienst in Steffenshagen statt. Am Nachmittag wurde ein Festumzug durchgeführt. Es wurde eine Gedächtniseiche gepflanzt und ein Gedenkstein mit der Inschrift "18. 10.1813 - 18. 10.1913" enthüllt.

In der Raducle [53] Nr. 8, von 2008 veröffentlichte Klaus Kretschmann [51] nachfolgenden Artikel über den Gedenkstein in der Alten Dorfstraße:

In ganz Deutschland fanden 1913 Gedenkveranstaltungen zum 100. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 18. Oktober 1813 statt, die zur Niederlage der Franzosen unter Napoleon führte und diesen zur Räumung Deutschlands zwang. Lesen Sie zu der 100-Jahrfeier in Reddelich bitte den folgenden, ungekürzten Bericht aus dem Ostsee-Boten vom 24. Oktober 1913:

Reddelich, 23. Oktober Der Krieger- und Militärverein sowie der Gesangverein feierten am letzten Sonntag den Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig als Volksfest. Vormittags fand [ein] Festgottesdienst in Steffenshagen statt. Nachmittags 4:00 Uhr versammelten sich die Festteilnehmer im Vereinslokal zu einem Festzug durch das geschmückte Dorf zu der Sieges- und Friedenseiche und Gedenktafel von 1870/71. Hier hielt Herr Oberleutnant von Besser, Reddelich, eine Ansprache, welche in einem Hoch auf Kaiser und Großherzog ausklang, worauf von den Anwesenden die Hymne gesungen wurde. Der Gesangverein brachte das Lied "Hör uns, Allmächtiger" sehr stimmungsvoll zu Gehör. Darauf bewegte sich der Festzug zurück nach dem Dorf, woselbst eine Gedächtniseiche gepflanzt und ein Gedenkstein mit der Inschrift: "18.10.1813. 18.10.1913". enthüllt worden ist. Herr Lehrer Bausch, Glashagen, hielt die Festrede. Es wurde "Wacht am Rhein" und vom Gesangverein die Lieder "Vater ich rufe Dich" und "Lützows wilde Jagd" gesungen.
Herr Oberleutnant von Besser übergab Eiche und Stein der Gemeinde zum Schutze, worauf Herr Uplegger [der damalige Dorfschulze] diese mit einer kurzen Erwiderung entgegennahm. Sodann marschierte der Festzug zum Holzstoß. Hier hielt Herr Oberleutnant von Besser eine kernige Festrede, welche mit einem Hoch auf Kaiser und Reich und dem Lied "Deutschland über alles" endete. Im Vereinslokale wurden von Herrn Bollow, Güstrow, hoch- und platt- deutsche Deklamationen zum Vortrag gebracht. Ein Ball [be]endetet dieses so schöne Fest.

Faksimile Ostsee-Bote 1913
Faksimile des "Ostsee-Boten" vom 24. Oktober 1913

Natürlich wollen wir diesen Artikel nicht unkommentiert lassen. Schließlich begann nur ein paar Monate später, im Sommer 1914, der Erste Weltkrieg, ein imperialistischer Eroberungskrieg um die Neuverteilung der Welt. Wir können uns sehr gut vorstellen, welchen Inhalt die "kernige Festrede" des Oberleutnant von Besser hatte. Denn die meisten jungen Leute, auch aus Reddelich und Brodhagen, zogen bei Kriegsbeginn, beeinflusst durch die damalige Propaganda, mit Begeisterung in den Krieg, der nach vier Jahren mit unendlichen Opfern und einer Niederlage Deutschlands endete. (…)

Reddelicher 'Völkerschlachtdenkmal'
Gedenkstein und die Gedächtniseiche in einer Ansicht von 2013.