Die Reddelicher Büdnerei № 8

Von Reinhold Griese (Recherche), Ulf Lübs (Layout).

Das Wohnhaus der Büdnerei, an der Steffenshäger Straße links vor dem Ortsausgang in Richtung Steffenshagen gelegen, existiert heute noch. Landwirtschaft wird dort jedoch nicht mehr betrieben.

1810 ist Maria Schwarck, geb. Waack als Eigentümerin der Büdnerei eingetragen.

1818 übernahmen der Arbeitsmann Schwarck und der Tagelöhner Fahrenheim die Büdnereien 7 und 8. Warum das Amt das so anordnete konnte nicht ermittelt werden. 1857 gibt es einen Akteneintrag, dass der Sohn des Büdners Fahrenheim die Büdnerei 7 übernahm, und die Büdnerei 8 fortan von der Familie Schwarck separat bewirtschaftet wurde.

1851 verkaufte die Familie Schwarck die Büdnerei in der Größe von 1163 Quadratruten (2,5 Hektar) an den Schulzen und Hauswirt der Hufe IV, Borgwardt aus Obersteffenshagen. Die Büdnerwitwe Maria Schwarck (geb. 1797) lebte am Tag der Volkszählungauf dem Hof Garbe in Steffenshagen beim Arbeitsmann Joachim Schwarck, augenscheinlich ihr Sohn. Hauswirt Borgwardt kaufte die Büdnerei offensichtlich für seine Tochter Maria. Ungewöhnlich ist, dass die Büdnerfamilie am Tag der Volkszählung 1867 offensichtlich nicht auf der Büdnerei wohnte. Der Büdner Carl Jonas (geb. 1841) war zu diesem Zeitpunkt mit Ehefrau Maria (geb. 1834) und Sohn Wilhelm (geb. 1866) auf der Steffenshäger Hufe IV, im Haushalt seines Schwiegervaters, registriert.

Auf der Büdnerei lebten zur Volkszählung 1867:

  • Der Einlieger Heinerich Majer (geb. 1825) mit Ehefrau Sophia (geb. 1819) und Enkeltochter Sophia Levezow (geb. 1864).
  • Der Maurer Hermann Schmiedt (geb. 1815) mit Ehefrau Maria (geb. 1820) und Tochter Anna (geb. 1846 ). Am Zähltag hielt sich Louisa Schmiedt (geb. 1851) in Stülow auf.
  • Der Einlieger Johann Mundt (geb. 1807) mit Ehefrau Maria Mundt (geb. 1814), TochterRika (geb. 1855) und Enkel Heinrich Garbe (geb. Jan 1867). Auswärts waren am Zähltag die Familienmitglieder Johann Mundt (geb. 1846), Maria Garbe (geb. 1838), Louise Mundt (geb. 1844), Sophia Mundt (geb. 1848) und Wilhelmine Mundt (geb. 1850).
  • Die Einliegerin und Witwe Luisa Schuldt (geb. 1814) mit Söhnen Heinrich (geb. 1849)und Carl (geb. 1855) auswärts waren am Zähltag die Familienmitglieder Johann Schuldt (geb. 1837), Joachim Schuldt (geb. 1846) und Christian Schuldt (geb. 1852)

Maria Jonas, geb. Borgwardt, ließ das Wohnhaus mit Dachziegeln eindecken und einen Stall neu bauen. Wann das war ist nicht bekannt.

1899 übernahm der Maurer Carl Winter (geb. 1865) aus Brodhagen die Büdnerei. Er war zur Volkszählung 1900 alleiniger Bewohner der Büdnerei. Denkbar ist, dass er dort keine Landwirtschaft betrieb sondern die Büdnerei baulich sanierte. Dies würde auch den Besitzerwechsel schon 1903 erklären, als Johann Bull aus Obersteffenshagen die Büdnerei übernahm. Nicht bekannt ist, warum dieser die Büdnerei bereits im Jahre 1904 verkaufte.

Erwerber war der Häusler Johann Reincke (geb. 1871) mit seiner Frau Anna (geb. 1874) aus Lichtenhagen. Er bezahlte 13.800 Mark für die Büdnerei, deren Größe mit 2 ha 17a 13m² angegeben war. Mitgekauft wird folgendes lebendes und totes Inventar:

  • ein Pferd,
  • zwei Kühe,
  • zwei Schweine,
  • 14 Hühner,
  • Tauben,
  • Runkelrüben,
  • Hafer,
  • Torf,
  • Dung,
  • ein Wagen mit Kasten und Ernteleitern,
  • eine Egge,
  • ein Haken (Pflug),
  • eine Walze
  • eine Kornrummel,
  • eine Häckerlingslade,
  • ein Schweinekasten,
  • Pferdesielen und
  • eine Dezimalwaage mit Gewichten

1905 wurde ein neuer Stall gebaut und 1924 der Kanon in Höhe von 1.594.737 Mark abgelöst.

1942 gab es einen Überlassungsvertrag von Johann Reincke an seinen Sohn Hans. Der Wert der Büdnerei war mit 11.587 Reichsmark angegeben. Für die drei Kinder von Karl, dem verstorbenen Bruder von Hans, Ernst, Heinz und Karl wurde eine Grundschuld von 1000 Mark ins Grundbuch eingetragen.

1945 lebten auf der Büdnerei: Johann Reincke (geb. 1923) mit Frau und den Kindern Hans u. Berta. Nach dem Krieg wurden dort eingewiesen:Familie Tank (Hermann, Amanda, Charlotte)

1978 kaufte der Tierarzt Dr. Trommer die Büdnerei von der Familie Reincke.

In den 1990er Jahren wurde im Garten ein Grundstück abgetrennt und mit einem Eigenheim bebaut.

Um 2000 wurde Nils Winkeltau aus Kröpelin Eigentümer des Anwesens.

Artikel aktualisiert am 26.01.2020