Die Reddelicher Häuslerei Nr. 32

Bei dieser handelt es sich um das vorletzte Anwesen in der Häuslerreihe von der B 105 zum Bäcker in der Alten Dorfstraße. Es ist das Elternhaus vom Dorfchronisten Reinhold Griese, der heute (2018) in Warnemünde lebt und vielen Reddelichern durch seine Artikel über die Geschichte der Region und sein Engagement für die Gemeindechronik bekannt ist.

1908 kaufte der Schuhmachermeister Helmut Köster die Häuslerparzelle von der Gemeinde und ließ sich vom Maurermeister Westendorf ein Haus mit zwei Einliegerwohnungen bauen. Die Finanzierung erfolgte durch 3 Hypothekenbriefe zu insgesamt 3.000 Mark. Belegt wird dies in einem Schreiben vom 13. 10. 1925 zur Aufwertung der Grundschuld:

Die im Grundbuch der Häuslerei 32 in Reddelich eingetragene Forderungen aus Darlehen lautend zusammen 3000 M, sind kraft Rückwirkung aufzuwerten, da ihre Rückzahlung in der Zeit vom 15. Juni 1922 bis 14. Februar 1924 in Papiermark erfolgt ist. Das unterzeichnete Ministerium hat demgemäß einen Antrag auf Aufwertung bei der Aufwertungsstelle angemeldet.

1945 wohnten dort Helmut und Fieda Köster, Otto und Ella Griese mit Sohn Reinhold, Heinrich und Elise Schultz mit den Kindern Willy, Herta, Hermann und Franz sowie Karl Möller mit Familie. Nach Kriegsende wurden dort einquartiert: Die Lehrerin Lotte Kagermann sowie Willi Reck.

In der RADUCLE Nr. 8 wurde ein Artikel über die Häuslerei Nr. 32 von Reinhold Griese veröffentlicht:

Meine Verbundenheit mit meinem Heimatdorf Reddelich ist trotz meiner langen Abwesenheit ungetrübt. Zwar in Rostock geboren, bin ich in Reddelich im Hause meiner Großeltern, in dem auch meine Eltern wohnten, aufgewachsen.

Mein Großvater war Schumachermeister. Schuster durfte man ihn nicht nennen, damit war er gar nicht einverstanden. Während er in den Kriegsjahren im Wesentlichen nur Reparaturarbeiten ausgeführt hat, kann ich mich noch daran erinnern, dass er Schuhe, Stiefel und Lederpantoffeln nach Maß neu angefertigte. Letztere z.  b. für seinen Nachbarn, den Bäckermeister Hans Möller. Mein Vater, gelernter Tischler, stammte aus Steffenshagen. Er arbeitete seit 1934 in den Flugwerken Ernst Heinkel in Rostock – Marienehe. Unser Grundstück war eines der über 30 Häuslereien mit der Nummer 32 und umfasste etwa 2400 m². Die nicht bebaute Fläche und von der Gemeinde gepachtetes Land in Richtung Jennewitz wurden landwirtschaftlich genutzt und von einem in Reddelich ansässigen Büdner gegen Lohn bearbeitet. Es wurden zwei Schweine, zwei Ziegen und mehrere Hühner gehalten. Die landschaftlichen Produkte dienten der Selbstversorgung mit Lebensmitteln (so nannte man es damals).

Ich selbst besuchte die Reddelicher Schule, die einklassig war – nach 1945 dann zweiklassig. Unterrichtet wurden wir von einem Lehrer, Herrn Mahn. Dieser war sehr oft krank, so dass der Unterricht oft ausfiel bzw. von dem Lehrer aus Glashagen, Herrn Buß, vertreten wurde. Nach 1945 war für eine Übergangszeit Frau Döhring unsere Lehrerin bis Herr Schadow für die oberen Klassen und Frau Scherpelz für die unteren Klassen nach Reddelich kamen.

Im Jahre 1948 kam ich dann mit einer weiteren Schülerin und einem weiteren Schüler zur damaligen Goethe- Grund- und Oberschule, dem jetzigen Gymnasium, nach Bad Doberan. Da wir bei Herrn Schadow Englisch hatten, was damals eine Errungenschaft für eine Dorfschule war, kamen wir in eine normale Klasse, nicht wie die anderen in eine so genannte Förderklasse. Mit Abschluss der 10. Klasse 1952 ging ich nach Putbus an das Institut für Lehrerbildung und wurde Lehrer. Von dieser Zeit an besuchte ich Reddelich nur in den Ferien und später mit meiner Familie nur an vereinzelten Wochenenden bis wir dann seit den achtziger Jahren das Grundstück bis 1995 bewirtschaften.

In einem Artikel über die Familie Schultz beschrieb Reinhold Griese auch die Einliegerwohnung der Häuslerei № 32, die von der Familie Schultz bewohnt wurde:

Die Wohnung bestand aus einem Wohnzimmer, einer Schlafkammer, einer Küche, einer Speisekammer – von dort führte eine Treppe auf den Boden – einem Stall für zwei Schweine und zwei Ziegen. Unter der Küche war ein Keller. Neben der Eingangstür war eine selbstgebaute Bank, auf der die Familie die Abendsonne genoss. Neben der Auffahrt gab es einen Hofplatz mit Schuppen, Dunggrube und Plumpsklo. Hinten auf dem Grundstück befand sich ein kleiner Garten.

Artikel aktualisiert am 31.01.2020