1928: Brand auf dem Bauernhof Baade (Hufe VIII).

Durch Brandstiftung des Pferdeknechtes Ernst Reiter brannte am 15. Dezember 1928 der Kuh- und Pferdestall des Bauern Joachim Baade, der den Hof an seinen Schwiegersohn Schmidt verpachtet hatte, ab.

Zu diesem Großbrand veröffentlichte Klaus Kretschmann [31] einen Artikel in der Raducle [53] Nr. 12. Nachfolgend Auszüge daraus:

Zu dem Großbrand im Jahre 1928 in Reddelich berichtete im Jahr 2008 Zeitzeuge Willy Schultz (1922–2009):
» …Das erste Großfeuer in Reddelich, an das ich mich gut erinnern kann, war zwischen Weihnachten und Neujahr 1929, vielleicht auch in den ersten Januartagen 1930… Nach einem Streit wegen der Viehfütterung hatte ein Landarbeiter in der Nacht den Stall des Bauern Albert Schmidt angezündet. Unsere Feuerwehr versuchte zu löschen. Die Doberaner Feuerwehr kam auch. Während die Pferde gerettet werden konnten, verbrannten im Stall zehn bis fünfzehn Kühe. Der Brandstifter, der sich in einer Hecke zwischen den Grundstücken von Wilhelm Rowoldt – jetzt Wohnhaus Wellach – und Hermann Baade versteckt hatte, wurde gleich festgenommen und später vor Gericht gestellt. Exakt an der Stelle des abgebrannten Stallgebäudes befindet sich heute die Reddelicher Bauernscheune, errichtet von der Baufirma Westendorf aus Reddelich… «

Willy Schultz war zum tatsächlichen Zeitpunkt des Brandes ein sechsjähriges Kind. Wenn er sich auch bei der Jahreszahl irrte, stimmen seine Erinnerungen mit den jetzt vorliegenden Erkenntnissen im Wesentlichen überein.

…Landwirt Albert Schmidt war 1928 Verwalter und später Pächter des Bauernhofes von Hermann Baade auf dem heutigen Areal zwischen Bauernscheune und der B 105.

…Als der Brand gegen 3:30 Uhr von Nachbarn bemerkt wurde, schlug das Feuer schon aus dem strohgedeckten Dach des Viehhauses heraus. Verzweifelt versuchte man, die Tiere ins Freie zu führen und den Brand zu löschen. Zuerst vor Ort war die Freiwillige Feuerwehr Reddelich, die aus dem gut 100 Meter entfernten Spritzenhaus mit ihrer Handdruckspritze und zwei fahrbaren Wasserbehältern anrückte. Nach einiger Zeit traf dann die Motorspritze der Doberaner Feuerwehr ein. Auch andere Wehren aus den Nachbarorten beteiligten sich an der Brandbekämpfung. Die Feuerwehrleute mussten sich aber auf das Eindämmen des Brandes beschränken, um ein Übergreifen auf andere Gebäude zu verhindern. Besonders gefährdet war die damals gegenüberliegende Baadesche Scheune. Heute befindet sich dort der Reddelicher Fußballplatz.
Von Zeitzeugen ist überliefert, dass ganz Reddelich an diesem nächtlichen Dezembermorgen von dem brennenden Viehhaus taghell erleuchtet war.
Letztlich wurde das Viehhaus bis auf die Grundmauern eingeäschert. Zuvor gelang es aber, sämtliche Pferde und 16 Kühe zu retten. 19 Rinder erstickten in den Flammen. Alle im Viehhaus gelagerten Futtervorräte, darunter ca. 100 Zentner Hafer sowie Maschinen und Stallutensilien, verbrannten. Ein Fohlen verendete später an den Brandverletzungen. (…)

Reddelich, im Oktober 2011
Klaus Kretschmann

[Quellen: Universitätsbibliothek Rostock; Rostocker Anzeiger und Ostsee-Bote vom 16. 12.1928; Projekt Zeitensprünge 2008 (Chronik der FFw Reddelich); Gespräch mit Willy Schultz vom 30. 10.2008]
Faksimile Rostocker Anzeiger von Dezember 1928
Ausriss der Titelseite des Rostocker Anzeigers vom 16 Dezember 1928

Im August 1929 fand die Brandstiftung ihr strafrechtliches Ende mit der Verurteilung des geständigen Brandstifters zu 5 Jahren Zuchthaus. Dazu schrieb der Ostseebote am 1. August 1929 in einem Artikel uber die juristische Aufarbeitung des Brandes von 1928:

In der Nacht vom 14. zum 15. Dezember war in Reddelich das Viehhaus abgebrannt. Der entstandene Schaden war sehr hoch. Von 35 Haupt Rindvieh kamen 18 in den Flammen um, darunter 3 tragende Starken und 4 Milchkühe. Von den geretteten Tieren hatten noch einige Brandwunden davongetragen, woran ein Fohlen einging. Außerdem sind ein Motor, eine Schrotmühle, 100 Zentner Hafer, 60 Zentner Mengekorn und sonstiges Futterkom mitverbrannt. Als der Täter stellte sich am 17. Dezember bei der Polizei in Rostock selbst der Arbeiter Emst Ritter mit den Worten: „Ich habe das Viehhaus in Reddelich angesteckt.“ Er wurde in Haft genommen. Am Dienstag hatte sich der Angeklagte vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts Rostock wegen Brandstiftung zu verantworten. Als Motiv der Tat gab der Angeklagte an, sein Arbeitgeber habe ihm zu wenig Lohn ausgezahlt und ihn auch sonst mißgünstig behandelt. Die Brandstiftung will der Angeklagte mit 2 Streichhölzern, mit denen er das Stroh im Viehhause anzündete, ausgeführt haben. Bei der Zeugenvernehmung des geschädigten Landwirts Sch., des früheren Arbeitgebers des Angeklagten, kam es zu einer erregten Szene im Gerichtssaal. In seiner Wut überschüttete dieser den Zeugen mit Schimpfworten und drohte u. a.: „Ich breche Ihnen das Genick, wenn ich mein Geld nicht kriege, so wahr ich hier stehe!“ Der Staatsanwalt beantragte die Aufrechterhaltung der vom Schöffengericht Kröpelin verhängten Strafe von 5 Jahren Zuchthaus. Das Gericht verwarf die Berufung mit der Maßgabe, daß anstatt 2 jetzt 3 Monate Untersuchungshaft anzurechnen seien. Der Angeklagte nahm das Urteil nicht an.

Gefunden von Klaus Kretschmann aus Reddelich.
Artikel aktualisiert am 15.03.2020