Verwaltungskontrolle im Februar 1982

Durch die Dienstaufsichten der Räte der Kreise wurden die Gemeindeverwaltungen regelmäßig überprüft. Im Februar 1982 fand eine solche Kontrolle in Reddelich statt. Das Ergebnis war eher unrühmlich:

Im vergangenen Jahr wurde auf Grund des Bürgermeisterwechsels der Gemeinde keine ausreichende staatliche Arbeit geleistet. Nachdem Koll. Marquardt im April die Funktion des Bürgermeisters übernahm, sind auf einigen Gebieten Verbesserungen eingetreten. Dieses trifft z.B. für die Verbesserung der Zusammenarbeit mit der LPG (T) Steffenshagen und der Erhöhung der Kontinuität der Arbeit der Volksvertretung und des Rates zu. U.a. mußte erst ein Arbeitsplan für die Volksvertretung und den Rat erarbeitet werden, um die hier vorhandene Spontanität in der Arbeit zu überwinden. Es ist jedoch von der Qualität her nicht ausreichend, da eine Reihe notwendiger Probleme keine Berücksichtigung fanden.

Die Schwerpunkte bildeten in der Gemeindevertretung:

  • Planerfüllung in der tierischen und pflanzlichen Produktion,
  • Arbeit der Feuerwehr und Fragen der ZV (Zivilverteidigung),
  • Betreuung kinderreicher Familien.

Die Ratsarbeit konzentrierte sich auf:

  • Planerfüllung der Landwirtschaft,
  • Arbeit der ständigen Kommissionen und
  • Wohnungsfragen

Aus den Protokollen ist ersichtlich, daß Anträge und Anfragen, insbesondere in Bezug auf das Bau- und Wohnungswesen einen zu breiten Raum in den Tagungen einnahmen.

Auch in der Frage der Einhaltung der Tagesordnung und der gestellten Termine traten Mängel auf. So kam es bei 3 im II. Halbjahr geplanten Volksvertretersitzungen zu 2 Terminverschiebungen und bei den 6 vorgesehenen Ratssitzungen zu 4 Verschiebungen der Termine und 3 Änderungen der Tagesordnung. Die Teilnahme der Abgeordneten und Nachfolgekandidaten an den Tagungen betrug im II. Halbjahr 67,8 %, die der Ratsmitglieder an den Ratssitzungen 71,4 %.

Die ständigen Kommissionen der Gemeindevertretung arbeiten sporadisch und nicht auf der Grundlage eines Arbeitsplanes. Sie haben sich zwar nach Rücksprache mit dem Bürgermeister einige Schwerpunkte selbst gestellt, aber arbeiten mehr oder weniger danach, wie sich die Probleme entwickeln. Da die meisten Fragen zur Zeit auf dem Gebiet der Wohnungswirtschaft sowie im Bereich Jugendfragen und Kultur auftreten, wurden in diesen ständigen Kommissionen desöfteren Beratungen geführt. Dagegen werden die anderen Kommissionen z.B. Haushalt, sehr selten wirksam. Eine Nachweisführung über die durchgeführten Sitzungen der Kommissionen gibt es nicht. Die Ergebnisse der Kommissionstätigkeit fließen in die Arbeit des Rates ein und spiegeln sich demzufolge nach Meinung des Koll. Marquardt auch in den Ratsprotokollen wieder. Eine eigene kurze Protokollierung der auf den Beratungen der ständigen Kommissionen erfolgten Festlegungen war ihm bisher nicht bekannt. Auf den nächsten Sitzungen und operativen Einsätzen der ständigen Kommissionen soll diese bereits durchgeführt werden.

In der Gemeinde ist das gesellschaftliche Leben nicht ausreichend entwickelt. Als Ursache wird immer wieder angeführt, daß für geistig-kulturelle Veranstaltungen keine Räumlichkeiten vorhanden sind. Erst nach Fertigstellung der Mehrzweckbaracke am Gemeindebüro sollen in dieser Beziehung größere Aktivitäten entwickelt werden. Eine solche Begründung kann jedoch nicht in vollem Umfang akzeptiert werden. Von der Notwendigkeit, ein höheres Niveau in dieser Hinsicht zu entwickeln, zeugt auch die Tatsache, daß an den Gemeindevertretersitzungen ständig ca. 15 Bürger teilnehmen.

Im Ortsteil Brodhagen fand 1981 eine Einwohnerversammlung statt. Für dieses Jahr ist die Durchführung einer öffentlichen Ratssitzung vorgesehen. Von diesen Möglichkeiten wurde bisher von der Bevölkerung reger Gebrauch gemacht. Das Bedürfnis der Bürger nach einem vielfältigen gesellschaftlichen Leben wurde auch in den Gesprächen mit einigen Abgeordneten unterstrichen.

Sehr kritisch gesehen wird jedoch auch die vollkommen unzureichende Ordnung und Sauberkeit im Gemeindebüro. Nachdem endlich erreicht wurde, daß die beiden Halbtagskräfte am Sprechtag so arbeiten, daß das Gemeindebüro bis 18:00 Uhr besetzt ist, sind in der Frage der Ordnung und Sauberkeit noch keine Verbesserungen zu erkennen.

Von der Abgeordneten Keil (Ratsmitglied) wird eingeschätzt, daß die jetzt bestehende gute Zusammenarbeit mit der LPG (T) Steffenshagen insbesondere das Verdienst des Bürgermeisters ist. Während vorher fast ausschließlich auf schriftlichem Gebiet ein Informationsaustausch erfolgte, gibt es jetzt regelmäßige Absprachen. Sie ist der Meinung, daß vom Koll. Marquardt wenigstens solche Maßnahmen in Angriff genommen werden, über die vorher schon oft diskutiert wurde. Z. B. der Umbau der Mehrzweckbaracke und der Ausbau des Saales zu Wohnungen. Jedoch ist es notwendig, daß der Koll. Marquardt noch mehr an die Bürger im Ort herantreten muß, um entsprechende Aktivitäten und Initiativen zu wecken.

Der Abgeordnete Reinke, Vorsitzender der ständigen Kommission Jugendfragen, Kultur und Sport, kritisierte vorwiegend, daß kein arbeitsfähiger Dorfclub und Jugendclub vorhanden ist. In Bezug auf die Arbeit der Kommission gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Rat der Gemeinde. Er meinte dazu jedoch, daß dieses nur der Fall ist, da die Jugendarbeit und insbesondere nach Fertigstellung der Baracke die Nutzung des Raumes für die Jugendlichen gegenwärtig im Vordergrund steht.

Frau Trispel, Vorsitzende der Ortsgruppe des DFD, äußerte sich dahingehend, daß die Gemeindevertretersitzungen mit einem zu geringen Niveau durchgeführt werden. Es wird hier hauptsächlich über persönliche Belange einzelner Bürger gesprochen und kaum über allgemein interessierende Fragen. Außerdem findet Koll. Marquardt oft nicht den richtigen Ton im Umgang mit den Bürgern. Auf ihre Anfrage in Bezug zur Bereitstellung eines Raumes für die DFD-Versammlungen bekam sie eine Antwort, in der Art "Sie könnten es ja in seiner Küche machen.".

Übereinstimmend kam in diesen Meinungen zum Ausdruck, daß es Mißstimmungen im Ort gibt, die auf den Umgang des Koll. Marquardt mit der Bevölkerung zurückzuführen sind. Seine Art und Weise im Herantreten an die Bürger ist dabei durchaus verbesserungswürdig, um höhere Aktivitäten von deren Seite zu erreichen.

Abschrift des Berichtes, [07]