1312: Truppen aus Rostock überfielen Dörfer der Region

Viel ist über diese Repression nicht überliefert, was auf ein relativ gewöhnliches Ereignis zur damaligen Zeit hindeutet. Einzige, derzeit bekannte Quelle ist das MUB [26]. Dort ist eine Schadensliste zu diesem Ereignis dokumentiert.

Bekannt ist, dass Rostock 1312 in Fehde mit Dänemark stand, und eine Belagerung durch diese erwartete. Historisch belegt sind Querelen innerhalb der Bürgerschaft um den Warnemünder Wehrturm zu dieser Zeit. Diese standen offensichtlich im Zusammenhang mit dem Streit zwischen Rostock und Dänemark. EINE Erklärung für die Plünderungen in der Region wären marodierende Söldner der Rostocker Bürgerschaft.

Ein Indiz für Eigenmächtigkeiten der Söldnertruppe war die harte Bestrafung des ratsherrlichen Truppenführer Rostocks. Er hatte offensichtlich die Söldner nicht im Griff und: »verlor das Bürgerrecht und wurde der Stadt verwiesen.« wie die Quellen berichteten. Ein anderer – gleichfalls plausibler – Ansatz wäre eine, durch die Bürgerschaft abgesegnete, Requirierung von Proviant. Das war damals durchaus gängige Taktik der Städte bei drohender Belagerung. Die Zeit, in lange Lieferverhandlungen mit den umliegenden Dörfern zu treten hatten diese im Krieg nicht.

Den Bewohnern Reddelichs und Brodhagens dürften die Gründe für die Plünderung egal gewesen sein. Froh, wenigstens keine (bekannten) Schäden an Leib und Leben erlitten zu haben, bot dieses Ereignis sicher Gesprächsstoff für viele Jahre.

In der oben genannten Schadensaufstellung wurden für Reddelich als geschädigte genannt: Henrico der Müller, Henrico Wolderi, Nycolaa Sanne, Alheydi Hoppen, Henrico der Wagenbauer, Wernero der Krämer, Heydenrico, Gherrardo Kroghere, Godescalco, Thiderico Wlpi, Bertoldo, Johanni der Westfale, Henrico Sauneke, Ludolfo der Sachse, Alberto aus Horst, Hermann aus Bollhagen, Radolfo, Halbeker, Hermanno der Wagenbauer und Reynekoni. An Vieh wurden hier u. a. 111 Schafe, 41 Kühe bzw. Kälber, 23 Schweine und neun Pferde geraubt. Dem Müller wurden die Sauna, Haushaltsgegenstände und Instrumente in der Mühle zerstört. Dem Krämer wurden Kleidungsstücke und Leinenstoffe entwendet.

Aus der Aufzählung der Bestohlenen geht hervor, dass es noch keine Nachnamen gab. Die Vornamen wurden mit den Tätigkeiten oder mit der Herkunft der Namensträger zu ihrer Unterscheidung verbunden. 1312 lebten in Redecle, wie Reddelich in dieser Zeit genannt wurde, 22 Familien, darunter zwei Wagenbauer, ein Krämer und ein [Walk-]Müller.

Auch Brodhagen wurde 1312 von den Rostockern geplündert. Betroffen waren vier Bauernhöfe und zwar von Cruse, Christianus, Johannes Ratlef und Cxacto. Johannes Ratlef beklagte den Verlust von Pferden im Gegenwert von 50 Mark. Das war für damalige Verhältnisse ein hoher Betrag für eine verhältnismäßig großen Zahl von Tieren. Das lässt sich vielleicht dadurch erklären, dass er der Hofmeister der Meierei in Brodhagen war.

Artikel aktualisiert am 08.05.2019