1618 – 1648: Dreißigjähriger Krieg

Mecklenburg wurde 1627 durch Truppen von Wallenstein besetzt. 1629 belehnte der Kaiser Wallenstein mit Mecklenburg. Güstrow wurde seine Residenzstadt. 1631 rückte König Gustav II. Adolf von Schweden in Mecklenburg ein. Vertriebene mecklenburgische Herzöge wurden wieder eingesetzt.

Es ist allgemein bekannt, welche Brutalität und welche Gemetzel von der entmenschlichten Soldateska im Dreißigjährigen Krieg verübt wurden. Weniger bekannt ist, dass Mecklenburg ein Hauptschauplatz des Krieges war. 1618 bis 1648 wurden große Zerstörungen und hohe Menschenopfer in Mecklenburg verzeichnet.

Die Aussage, dass die Menschen des Amtsbereichs im Großen Krieg, wie der Dreißigjährige Krieg damals auch genannt wurde, weniger zu leiden hatten als Anderenorts, bedeutet nicht, dass in Reddelich und Brodhagen alles Gut war. Die Reddelicher Bauern hatten das Pech, an einem Hauptweg zu liegen. Durch Truppendurchzüge, Einquartierungen und Ablager hatten sie besonders zu leiden.


1627 wurde Mecklenburg durch Truppen von Wallenstein besetzt. Im Januar 1628 belehnte der Kaiser Wallenstein mit Mecklenburg als Entschädigung für die entstandenen Kriegskosten. Güstrow wurde seine Residenzstadt. Da Wallenstein davon ausging, in Mecklenburg langfristig herrschen zu können, stellte er sich wenigstens großen Zerstörungen und Plünderungen entgegen. Die Amtsverwaltung beließ er weitestgehend, unterstellte sie aber seiner Kammer in Güstrow. In einem Amtsmemorandum von 1629 hieß es, dass die meisten Dörfer ihre Felder nicht komplett bestellt hatten, viele Höfe wüst und einige völlig ausgestorben waren. In 8 Dörfern regierte die Pest.

Den Amtsunterlagen zufolge herrschte im Amtsbereich auch unter Wallensteins Regentschaft eine gewisse Normalität. Da ging es um ausgesetzte Fischlieferungen, weil der Zeitpunkt zum Teichablassen ungünstig war. Oder einen Antrag an die Güstrower Kammer, auf Geldzuweisung zum Ankauf von 200 Schafen für die Amtsschäfereien. Auch der Aufbau abgebrannter Häuser auf Amtskosten wurde gestattet. Anderseits wurde Wallenstein gebeten, jedem Hof auf Amtskosten »zwei Pfund Blei zu reichen um etwas Schutz vor täglichen Räubereien der Kroaten zu haben.« Gleichzeitig wurde um Abhilfe und Rückgabe des Geraubten gebeten. Der Antrag wurde anstandslos bewilligt. [16] Die Wiederaufbauprogramme schienen nicht viel Erfolg gehabt zu haben. Die Zahl der bewirtschafteten Höfe, Hufen und Kossatenwirtschaften ging, bis auf wenigen Ausnahmen ständig zurück.

1631 eroberten Truppen des König Gustav II. Adolf von Schweden Mecklenburg zurück. Die vertriebenen mecklenburgischen Herzöge wurden wieder eingesetzt. Hielten sich die Schweden zunächst an die Absprachen, die den Doberaner Amtsbereich zum herzoglichen Tafelamt erklärten, gaben sie nach Beitritt der Herzöge zum Prager Frieden 1635 alle Zurückhaltung auf. Von Rostock und Wismar war es ihnen ein leichtes, unsere Region zu plündern. Das lief meist so ab, dass die Garnisonen Unterhaltszahlungen forderten. Wenn diese vom Amt nicht beglichen wurden wurde das Amt kurzerhand besetzt. Der gesamte Tross blieb solange und lebte auf Amtskosten, bis die Forderungen erfüllt wurden. So lag 1636 ein Regiment Schottischer Völker [im Dienst für Schweden] 5 Wochen im Doberaner Amt und plünderte und drangsalierte die Umgebung. Es ist zwar nicht im Detail überliefert, aber die werden Reddelich und Brodhagen nicht ausgelassen haben.

Überliefert ist eine Schadensliste der Stülower Bauern in Höhe von 209 Gulden. Ein großes Problem stellten auch die Holzrequirierungen zum Schanzenbau in Warnemünde dar. Nicht nur dass die Wälder durch wilden Einschlag ruiniert wurden, es wurden auch ganze Gehöfte dafür abgerissen, selbst besetzte. Davon betroffen wird in den Akten auch Brodhagen genannt.

Als die Kaiserlichen Truppen 1637 in den Amtsbereich eindrangen, verschärft sich die Situation noch. Im Amtsbuch sind unter der Rubrik Exzesse der Kaiserlichen 27 Punkte aufgeführt. Der Doberaner Pastor, Magister Peter Eddelin, berichtete über den 5. Oktober 1637 als die kaiserlichen Heerscharen in den Amtsbezirk Doberan einfielen und unmenschliche Gräueltaten begingen:

Die Kaiserlichen sein auf dies Amt gefallen und so hausieret, dass es einen Stein in der Erden hätte mögen erbarmen. Das Weibervolk, so sie überkommen, haben sie geschändet, den Schreiber, mit einem Seile oder Schnur um den Kopf gewergelt, ihm und vielen den Schwedischen Trunk von Mistwasser und andere unreiner Materie eingegeben und ihnen hernach mit den Knien aufs Leib gestoßen, das das Mistwasser und die andere unreine Materie zum Munde hat wieder rausspringen müssen. Einen Mühlen Knecht [haben sie] im Backofen verbrannt und den Küster gar ums Leben gebracht, auch alles mit sich hinweg genommen …

Für Reddelich und Brodhagen waren, wie für den den gesamten Amtsbereich die Jahre 1636-37 die schlimmsten. Danach hatten sie jedoch unter den Raubzügen marodierender Söldner zu leiden. Da half es ihnen wenig, wenn auch Söldner abgestraft wurden, wenn sie plünderten. Es wurden vereinzelt sogar plündernde Offiziere ins Gefängnis gesteckt. Aber letztlich war die Landbevölkerung auf sich gestellt und sah ihr Heil oft in der Flucht in die umliegenden Wälder, Städte oder ins Ausland, wobei ihnen die Auslandsflucht verboten war. Bei den wenigen, in den Dörfern verbliebenen Bauern machte sich Resignation breit. Barnewitz [16] schreibt dazu:

… Infolge des Mangels an Brotkorn herrschte so großer Hunger, dass in manchen Dörfern schon "Katzen und Hunde gefressen wurden" – eine Angabe, die sich wohlverstanden in einem Memoriel der Beamten befindet, nicht in privaten Äusserungen. Wo wirklich noch Saatkorn vorhanden war, da wollten die Bauern es kaum säen weil die Aussicht auf Ernte zu gering war. Ja, gelegentlich ließen sie das bestellte Korn auf den Feldern stehen, weil sie doch nur für Fremde arbeiteten. Auch konnten sie sich schwer hinaus wagen, denn es suchten versteckte Soldaten sie zu fangen um pro Mann 1 Taler Lösegeld zu erpressen.

Ein Resümee des Amtes zu Kriegsende geht von einer Halbierung der Anzahl der besetzten Hufen und Höfe aus und führt einige Dörfer mit extremen Auswirkungen namentlich auf. So lag Jennewitz völlig wüst und in Diedrichshagen war nur noch eine Hufe besetzt. Da Reddelich an der gleichen Straße lag, wird es bei uns nicht besser ausgesehen haben. Es sollte noch bis in das 18. Jahrhunder dauern bis in Mecklenburg die landwirtschaftlichen Verhältnisse denen vor dem Krieg entsprachen.

Artikel aktualisiert am 10.05.2019