1914-1918: Erster Weltkrieg

Von 1914 bis 1918 tobte der Erste Weltkrieg. Ende des 19. Jahrhunderts verstärkte sich der Wettbewerb der imperialistischen Mächte um die Aufteilung der Welt. Dadurch erhöhten sich die Spannungen unter den europäischen Staaten. Die Rüstungsausgaben der Länder wurden ständig gesteigert. Es fand ein Wettrüsten zu Lande und zur See statt. Die Heeresstärken stiegen drastisch in die Höhe. Das gefährdete den Frieden und führte zum Krieg.

Die nationalistische Propaganda wurde von reaktionären Verbänden und Vereinigungen angeheizt. Sie vertraten eine expansive Politik, so auch die Kameradschaft des Reichskriegerbundes Kyffhäuser e. V, die 1910 in Reddelich gegründet wurde. Dieser gehörte dem Kreisverband Rostock und dem Landesverband HANSA an. Ihre Propaganda war besonders gegen den sogenannten Erbfeind Frankreich gerichtet. Das fand 1913 auch seinen Ausdruck in der Errichtung des Gedenksteins und der Pflanzung der Eiche zum 100. Jahrestag 1913 der Völkerschlacht bei Leipzig. Schon in der Schule wurde für einen Krieg geistig aufgerüstet. Die Schüler mussten ein Weihnachtslied singen, dessen erste Strophe lautet: »Morgen kommt der Weinachtmann, kommt mit seinen Gaben: Trommel, Pfeifen und Gewehr, Fahnen und Säbel und noch mehr, ja, ein ganzes Kriegesheer möcht ich gerne haben«.

Die jahrzehntelange verbrecherische ideologische Beeinflussung der Bevölkerung führte dazu, dass die jungen Männer 1914 mit großer Begeisterung gegen Frankreich in den Krieg zogen, auch aus Reddelich und Brodhagen. Das Erwachen geschah an der Front mit dem massenhaften Abschlachten der Soldaten durch die moderne Kriegstechnik.

Auch im Hinterland litt die Bevölkerung. Der Lebensnerv der mecklenburgischen Landwirtschaft wurde durch die Beschlagnahme der Hälfte der Pferde und durch die Ablieferung von Vieh, Korn und Futter äußerst getroffen. Durch eine Kreis- und Landesbehörde für die Volksernährung sollte die Versorgung der Front und die Verteilung der Nahrungsmittel gesichert werden. Der Kohlrübenwinter 1916/17 führte wegen des Hungers zu spontanen Unruhen in den größeren Städten. Auch die Landbevölkerung war betroffen. Im Oktober 1918 ersuchte die Obere Heeresleitung in aussichtsloser Situation die Regierung Waffenstillstandsverhandlungen zu führen. Am 9. November begann die Novemberrevolution. Der Krieg für Deutschland war verloren. Die militärischen Kräfte in Deutschland sprachen von der Unbesiegbarkeit an der Front und der Dolchstoßlegende, dass das Hinterland durch die Revolution das Heer von hinten erdolcht hätte. Dieses Argument gab den nationalsozialistischen Kräften unter Hitler Auftrieb. Auch die im Versailler Friedensvertrag festgeschriebene Alleinschuld Deutschlands am Krieg und die hohen Reparationsleistungen an die Siegermächte nutzten die Nazis für ihre Ideologie, die erneut zum Krieg und Katastrophe in der Welt führte. So gesehen gehörten der erste und der zweite Weltkrieg mit der Zwischenkriegszeit als eine Geschichtsepoche zusammen. Die Millionen Gefallenen und die Verwundeten des Ersten Weltkrieges waren auch in Reddelich und Brodhagen nicht Mahnung genug

Über die Kriegsgefallenen Gemeindeangehörigen kursieren unterschiedliche Listen, meist ohne Quellenangabe. Am schlüssigsten erscheint uns die Liste im nebenstehenden Link, die von Sven Morvinsky [05] (Reddelicher Teil) recherchiert wurde.

Artikel aktualisiert am 29.07.2019