Die Reddelicher Büdnerei № 20

Von Reinhold Griese (Recherche), Ulf Lübs (Layout).

Die Büdnerei ist eine der wenigen, die man noch heute als eine solche bezeichnen kann. Die Besitzer bewirtschaften den Hof derzeit im landwirtschaftlichen Nebenerwerb und präsentieren auf dem Hof der Büdnerei eine private Ausstellung historischer Landwirtschaftsgeräte und -Maschinen.


Die Büdnerei № 20 wurde, wie auch die Büdnerei № 18, von Otto Ebert 1906 gekauft. Er machte daraus einen Gartenbaubetrieb mit Obstplantage. 1909 verkaufte Ebert die Büdnerei an den Kutscher Joachim Stubbe aus Hütten. Bereits 1912 wurde die Büdnererei an den Büdner Fritz Nützmann weiter verkauft. Im Jahr 1918 erbte Luise, die Tochter von Fritz Nützmann die Büdnerei. Sie war mit dem Arbeiter Ludwig Woest verheiratet. 1922 wurde ein Stall angebaut. In den Jahren 1922 bis 1924 wurden die Schulden bezahlt. 1929 erfolgte der Bau eines Hühnerstalls.

Nach Kriegsende wurden dort einquartiert: Die Frauen Pentzek und Kobelinski aus Ostpreußen mit dem 14 jährigen Bruno Frantz.

1951 starb Luise Woest und hinterließ die Büdnerei ihrer Tochter Liselotte Käckenmeister.
1990 führten die Eigentümer, Hof und Acker wieder zusammen und betrieben dort fortan eine Nebenerwerbslandwirtschaft sowie eine Ausstellung historischer Landtechnik.

Von Klaus Kretschmann

In der Küche des Hauses erwartet uns Ehefrau Dagmar Käckenmeister. Sie erzählt, dass zu der Familie noch die 30-jährigen Zwillinge Marco und Enrico sowie die beiden jüngeren Söhne Mathias (27) und Nico (17) gehören, die zu viert weiter draußen schrauben. Ebenfalls überall schon mit dabei – der vierjährige Enkelsohn Justin. Im Gespräch erfahre ich von der langen Reddelicher Tradition der Familie Käckenmeister. Bereits die Eltern und Großeltern waren auf dem Anwesen wohnhaft und betrieben dort eine kleine Landwirtschaft. Fred Käckenmeister ist seit 38 Jahren Kraftfahrer bei der Firma Glashäger. »Ich war schon immer technisch interessiert. Schon als Kind habe ich in der benachbarten Schlosserei Frantz mitgeholfen. Und als Kraftfahrer zu DDR-Zeiten«, erklärt Fred Käckenmeister, »musste ich oft auch selbst Reparaturen durchführen, sei es am B 1000 oder am W 50.«
Nach der Wende führte die Familie 8,5 ha von der LPG bewirtschaftetes Land wieder in ihr Eigentum [Bewirtschaftung] zurück, sodass Fred Käckenmeister neben seinem eigentlichen Beruf im Nebenerwerb Landwirtschaft betreiben kann. Angebaut werden hauptsächlich Getreide, Kartoffeln und Rüben. Schafe, Ziegen, Katzen und ein als Hausschwein gehaltenes Wildschwein bevölkern neben Gänsen, Enten, Hühnern und Tauben den Hof. Schon zu DDR-Zeiten besaßen die Käckenmeisters zwei Kaltblüter-Pferde und einen Traktor Pionier, mit denen sie nebenbei etwas Landwirtschaft betrieben. Nach der Wende wurde weitere Technik dazu gekauft. Zuerst ein Mähdrescher E 512, dann eine Strohpresse und eine Kartoffelkombine, alles aus DDR-Produktion. Für den schnelleren Transport des Erntegutes wurde im Jahr 2006 zusätzlich zu dem zwischenzeitlich erworbenen Traktor ZT 300 schließlich der erste Lkw W 50 angeschafft.

2010, [51]

Artikel aktualisiert am 14.01.2020