Die Reddelicher Hufe IX

Von Reinhold Griese (Recherche), Ulf Lübs (Text, Layout).

Hufe IX in der heutigen Örtlichkeit

Die Hufe IX wurde bereits 1906 aufgelöst und in Büdnereien und Häuslereien aufgeteilt. Das Gehöft wurde als Büdnerei Nr. 24 weiter geführt. Das damalige Wohnhaus ist noch erhalten. Es wurde in den 1990er Jahren durch die Eigentümer saniert und wird von ihr bewohnt.

Über die Bewohner vor 1764

In der entsprechenden Gehöftsakte des Landeshauptarchivs Schwerin wird als erster Hauswirt Johann Vick (Ficke, Fick) genannt. Im Beichtkinderverzeichnis von 1704 wird ein Cossate Frens Ficke (45) aufgeführt. Im Jahre 1751 ist Hans Heinrich Vick Nachfolger. Er war mit Maria Baade verheiratet.

In der Liste der Leibeigenen des Amtes Doberan von 1753 sind aufgeführt: Johann Vick (32) und dessen Frau Maria Allwardt aus Schmadebeck (36) mit den Kindern: Emma und Maria (9) Jochim Friedrich (4) und Catharina Sophia (1 ½). Als leibeigenes Gesinde lebten auf dem Hof: Jochim Allwardt (34)und seine Ehefrau. Margarethe Westendorf mit den Kindern Hans und Hinrich (drei Monate), Hans Jacob Vick und dessen Frau Margarete Heinken aus Bartenshagen mit dem Kind Claus (1 ½ ) sowie Clas Vick und Hans Heinrich Mahn in Stülow.
Zu der Bauernstelle gehörten zwei Katen. Im ersten Katen wohnten die Leibeigenen: Daniel Vick (60) und Emerenzia Vick (55) mit dem Sohn Heinrich Kleinow (30). Zu dieser Familie gehörten noch Johann Kleinow (26), der in Steffenshagen verheiratet war und Gustav Speck, (23) verheiratet in Doberan sowie das Kind Andreas Christian (1). Weiterhin sind in der Liste die Kinder von Daniel Vick aufgeführt: Joachim bei Clas Frahm (19) und Daniel in Bollhagen, Familie Hans Heinrich Vick (51) und dessen Frau Catharina Bull (50) mit den Kindern: Maria (22), Daniel (20), Peter (15), Elisabeth (13), Hans (10) Sophia (8) und Johann (6). Im zweiten Katen wohnten die Leibeigenen: Hinrich Schmadebeck (45) und dessen Frau Elisabeth Bull mit den Kindern: Catharina (16) und Elisabeth Barten (8). Aus dieser Übersicht geht hervor, wie das Amt Doberan Buch über die Familien der Leibeigenen unabhängig von ihrem Wohnort führte und welchen Arbeitskräftebesatz eine damalige Bauernwirtschaft verfügte.

1764 übernahm Johann Baade, der Stiefsohn von Hans Heinrich Vick, den Hof.
Im Jahre. 1774 wurde das abgebrannten Gehöft des Christian Ficken zu Reddelich wieder aufgebaut. In der Akte heißt es:

Ohne sein und der Seinigen Verschulden iſt geſtern gegen Abend Haus und Scheuer im Feuer aufgegangen. Nichts konnte gerettet werden. Lebensmittel, Korn und Hausrat wurden ein Opfer der Flammen. Der Hirtenkaten iſt auch abgebrannt. Hauswirt Chriſtian Fick mit Frau und sieben unmündigen Kindern bekommen Unterſtützung.

1819 wurde als Interimswirt Johann Alwardt (43) eingesetzt.

1835 gehörten der Gehöftsfamilie an: Johann Allwardt, dessen Ehefrau (60) eine verwitwete Baade, geb. Waack; seine Stiefkinder Sophie Maria Baade verwitwete Saß aus Niedersteffenshagen; der Erbe Johann Peter Baade; Joachim Heinrich Baade, Knecht in Doberan; Daniel Gottlieb Baade, Knecht in Reddelich. Leibliche Kinder hatte der Interimswirt nicht.

1836 wurde Johann Peter Baade Hauswirt, der mit Henrice Uplegger verheiratet war. Dem Interimswirt Johann Alwardt stand ein Altenteil zu, da er die Hofstelle seit 1819 bewirtschaftet hatte. Das Altenteil besteht für den Interimswirt nebst Frau. Das Altenteil halbierte sich, als einer von beiden starb.

Im Jahre 1851, nach dem Tod von Johann Peter Baade, wurde das herrschaftliche Eigentum, die Hofwehr, registriert und die Gehöftsfamilie aufgeführt:

  • Der Stiefvater des verstorbenen Johann Peter Baade, Altenteiler Alwardt (früher Interimswirt), welcher den halben Altenteil genießt,
  • Die Witwe des Verstorbenen, Henrica Maria (geb. Uplegger) und deren acht Kinder: Johann Baade (15), Sophie (13), Joachim (11), Heinrich (9), Marie (7), Elisabeth (5), Louise (3) und Christian (1 ½).

Seine Witwe (33) übernahm die Fortführung des Gehöftes bis 1861, unter Kontrolle der Vormünder für Johann jr., Daniel Baade und Uplegger. Dann übernahm ihr Sohn Johann jr. den Hof auf der Grundlage des Inventars von 1756. Im Amt Doberan wird am 20. Juni 1861 folgendes registriert:

Der Gehöftſerbe Johann Baade von Gehöft Nr. 9 zu Reddelich erschien und trug vor: »Ich bin im April d. J. 25 Jahre alt geworden und wünsche als Hauswirt in meinem väterlichen Gehöft eingewieſen zu werden. Ich bitte die nötigen Einweisungen dazu geneigteſt bald treffen zu wollen.«
Am 23. Juli wurde dies genehmigt und er erhielt einen Hofbrief.

Johann Baade wollte vorher einen Erbpachthof in Zarrentin übernehmen. Dies wurde ihm nicht gestattet. Ihm wurde erklärt, wenn er die Bewirtschaftung der Hufe IX nicht annehme, drohe ihm die Abmeierei, d. h. dass er auch den Hof in Zarrentin nicht übernehmen könnte.

An Bauten wurden im Laufe der Jahre errichtet: 1834 ein neuer, heute noch als Häuslerei 24 bestehender Altenteilkaten mit Trennung von Stall und Wohnhaus sowie Anbau von zwei Fach an die Gehöftsscheune. Das Holz wurde bereitgestellt gegen Zahlung des Arbeitslohnes und bei eigener Anfuhr. 1849 wurde ein neues Viehaus gebaut.

Zur Volkszählung 1867 lebten im Bauernhaus der Hufe:

  • Der Hauswirt Johann Baade (geb. 1836) mit Ehefrau Sophie (geb. 1835) und den Kindern Marie (geb. 1861), Heinrich (geb. 1862), Ida (geb. 1864), Emma (geb. 1865) und Meta (geb. May 1867);
  • Die Knechte Joachim Baade (geb. 1840), und Christian Böckmann (geb. 1846), der Dienstjunge Heinrich Dreyer (geb. 1852) sowie die Dienstmädchen Dorothea Bull (geb. 1844), Louise Bull (geb. 1849) und Marie Pentzien (geb. 1851).

Im Katen des Gehöfts:

  • Der Einlieger Heinerich Schoff (geb. 1816) mit Ehefrau Sophia (geb. 1818 ), auf Reisen, vermutlich in Hamburg hielt sich am Zähltag Johann Schorf (geb. 1842)auf;
  • Der Arbeitsmann Wilhelm Saager (geb. 1813) mit Ehefrau Sophie (geb. 1818) und Tochter Louise (geb. 1853 ), in Vorder Bollhagen hielten sich am Zähltag Joachim Sager (geb. 1847), in Diedrichshagen Maria Sager (geb. 1843) und in Bartenshagen Sophia Sager (geb. 1850) auf;
  • Die Altenteilerin Marie Baade (geb. 1818) mit Tochter Louise (geb. 1848 ), in Doberan hielt sich am Zähltag Christian Baade (geb. 1849) auf.

Zur Volkszählung 1900 lebten auf dem Hof:

  • Der Bauer Wilhelm Baade (geb. 1868)
  • Die Haushälterin Henny Sachse (geb. 1869), das Dienstmädchen Bertha Harms (geb. 1884) und der Knecht Martin Wendt (geb. k. A.)

Im Katen des Gehöfts:

  • Der Arbeiter Hermann Burmeister (geb. 1874) mit Ehefrau Henriette (geb. 1872) und den Kindern Martin (geb. 1895) und Meta (geb. 1897)
  • Der Arbeiter Carl Reimer (geb. 1862) mit Ehefrau Caroline (geb. 1861) und den Kindern Wilhelm (geb. 1886), Caroline (geb. 1888), Carl (geb. 1890), Frieda (geb. 1892), Paul (geb. 1895), Anna (geb. 1898), Hans (geb. 1899), Heinrich (geb. k. A.), und Meta Reimer (geb. k. A.).

Im Jahre 1907 musste die Hufe IX wegen Überschuldung zwangsversteigert werden. Sie wurde in 10 Büdnereien und drei Häuslereien aufgesiedelt. So entstanden die Büdnereien 18 bis 27 und die Häuslereien 23 und 24. Die Hofstelle wurde die Büdnerei 24.

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Hofgelände der ehemaligen Hufe IX in einer Aufnahme von 2013 [12]

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Hofgelände der ehemaligen Hufe IX in einer Aufnahme von 2013 [12]

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Areal der Hufe 1953 [08]

Artikel aktualisiert am 28.01.2020