Die Reddelicher Hufe VII

Von Reinhold Griese (Recherche), Familie Philipp (Archivmaterial), Ulf Lübs (Text,Layout).

Die ehemalige Hufe VII in der heutigen Ortslage

Der Hof der ehemaligen Hufe VII in Reddelich, am Weg nach Glashagen auf der linken Seite gelegen, gehört heute der Familie Philipp und wird von ihr bewohnt. Das Wohnhaus wurde zu einem Schmuckstück saniert. Landwirtschaft wird von den Eigentümern nicht betrieben, die zur Hufe gehörigen Ländereien sind verpachtet.
Das Gehöft der Hufe VII lag bis 1882 im Dorfzentrum. 1881 wurde der Sitz des Landwirtschaftsbetriebes an seinem heutigen Standort neu gebaut.

In der Gehöftsakte wird als erster Hauswirt Hinrich Westendorf genannt. Im Beichtkinderverzeichnis von 1704 taucht als Hauswirt der Name Frame auf.

1744 wurde Claus (Clas) Frahm Hauswirt. Er starb 1762. Da sein Sohn und Erbe Joachim Christian noch nicht mündig war, setzte der Amtmann Hagemeister den Knecht Claus Williers, der mit Maria Frahm verheiratet war, als Interimshauswirt ein.

1797 wurde Joachim Christian dann Hauswirt. Er war in erster Ehe mit Christiane Griese, Hauswirtstochter aus Glashagen und in zweiter Ehe mit Maria Waack verheiratet.

1824 wurde ein neues Wohnhaus gebaut und damit das Wohnhaus von Stallungen getrennt. Der Hauswirt erhielt Bauhilfsgelder. Neben Holz wurden 8.000 Mauersteine und 2.000 Dachsteine verarbeitet.

Aktenkundiger Zwist

1824 kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen der Altenteilerin Maria Frahm und ihrem Stiefsohn. In den Akten ist folgendes registriert:

Die Altenteilerin Witwe Frahm vom Gehöft Nr. VII trug vor: Der Hauswirt Frahm, mein Stiefſohn, will meinen Dung auf ſeinen Acker abfahren. Ich habe eigenen Acker und wünsche, daß der Dung dahin verfahren werde. Dies will Frahm aber nicht und bittet deshalb ihn von Amtswegen dazu anzuhalten.

Dazu gab es eine Verhandlung beim Amt mit den beiden und dem Dorfschulzen Baade Die Altenteilerin bewirtschaftete 70 Quadratruten, also rund 1500 m². Die Witwe beklagte sich darüber, dass sie nicht genug Acker hätte und dass der Hauswirt seinen Verpflichtungen ihr gegenüber nicht nachkomme.

1853 zog die Witwe Frahm zu ihrem Sohn, dem Büdner Daniel Frahm, nach Biendorf und verlangte von dem Hauswirt Frahm das Altenteil in Geld zu zahlen. Büdner Frahm erklärte sich bereit seine Mutter bei sich aufzunehmen. Sie verlangte jährlich 50 Reichstaler. Der Hauswirt wollte ihr aber nur 35 geben. Man einigte sich auf 44 Courantmark (silber), die quartalsweise zu zahlen waren.

Am 7. März 1859 verstarb die Witwe Maria Frahm.

Zur Volkszählung von 1867 lebten im Bauernhaus des Gehöftes:

  • Der Hauswirt Johann Frahm (geb. 1836) mit Ehefrau Marie (geb. 1843) und den Söhnen Heinrich (geb. 1862), und Karl (geb. 1864).
  • Die Knechte Carl Fahrenheim (geb. 1841), Joachim Schuld (geb. 1849) der Dienstjunge Friederich Papenhagen (geb. 1853) sowie die Dienstmädchen Louise Reitzing (geb. 1850) und Minna Goldbeck (geb. 1850).

Im Katen des Gehöftes:

  • Die Altenteiler Heinrich Frahm (geb. 1797) und Ehefrau Margaretha (geb. 1790 )
  • Der Einlieger Johann Schönfeldt (geb. 1820) mit Ehefrau Sophie (geb. 1821) und den Kindern Sophie (geb. 1848), Heinrich (geb. 1858) und Joachim (geb. 1862 ),
  • Johann Schönfeldt (geb. 1849) hielt sich am Zähltag als Knecht auf der Reddelicher Hufe VIII auf.

1862 erfolgte die Übergabe der Hofstelle an Johann Frahm. Die Zeugen waren: Schulze Uplegger, Hauswirte Bull (Hufe III) und Baade (Hufe IX) sowie Heinrich und Johann Frahm (26 Jahre). Zur Gehöftsfamilie gehörten: Heinrich Frahm (65), Ehefrau Margarethe (69), ihre Töchter Sophie (41) verehelicht mit dem Tagelöhner Schönfedt, Maria (39) verehelicht mit dem Schulzen Schlutow aus Börgerende und Henrica Margarethe (34) war unverheiratet. Letztere hielt sich auf dem Gehöft auf.

1874 erhielt Johann Frahm einen Erbpachtkontrakt über den Hof in Größe von 54 ha, 98 a und 78 m². Das Erbabstandsgeld betrug 21.525 Mark.

Flurkarte der Hufe VII

1881 verlegte Johann Frahm die Hofstelle auf die Hufe außerhalb des Dorfzentrums. Von der bisherigen Hofstelle wurde die Büdnerei 16 von etwa 2 ha Fläche mit dem Wohnhaus abgetrennt. An dem Weg nach Glashagen baute die Familie Frahm das Wohnhaus, ein Viehhaus, ein Schweinehaus mit Backhaus und eine Scheune.

Zur Volkszählung 1900 lebten auf dem Hof:

  • Der Bauer Johann Frahm (geb. 1836) mit Ehefrau Marie (geb. 1843) und den Kindern Albert (geb. 1868) und Emma (geb. 1880)
  • Die Knechte Joachim Schönfeldt (geb. 1862), Wilhelm Oeming (geb. 1881) und Paul Hallier (geb. 1885) sowie die Dienstmädchen Auguste Trede (geb. 1879) und Anna Dahse (geb. 1884).

1908 übernahm Albert Frahm den Bauernhof.

Grundsteuerakte der 1920-er Jahre

1924 wurden das Kaufgeld der Vererbpachtung von 1874 auf 5.380,80 Goldmark aufgewertet.

1938 erbte Marianne Frahm, die mit Willi Kruth verheiratet war, den Hof.

Bewohner der Hofstelle 1945

1945 lebten auf dem Hof die Besitzerin, Marianne Frahm, ihr Vater Albert Frahm sowie ihr Bruder Heinrich (Heiner).

Nach dem Krieg wurden auf dem Hof einquartiert: Familie Nehrenheim (Gustav, Meta, Fred, Gerhard, Agnes, Helga, Heinz) aus Ostpreußen und Familie Wollenberg (Erika, Margarete, Herbert, Helmut, Irmgard) aus Ostpreußen.


1970 verstarb Willi Kruth.

1975 verkaufte Marianne Kruth das Hofgrundstück an eine LPG aus Mihla in Thüringen, die dort ein Kinderferienlager betrieb. Das hatte zur Folge, dass die Nebengebäude des Hofes gut erhalten wurden. Im Wohnhaus lebte Frau Paul, die auch das Ferienobjekt in Abwesenheit der Verantwortlichen aus Mihla verwaltete.

1997 erbte Marianne Kruths Nichte Rita Philipp die landwirtschaftlichen Nutzflächen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, Peter Philipp, kaufte sie das Hofgrundstück zurück und führte Land- und Gebäudeeigentum wieder zusammen. Sie sanierten das Wohnhaus und schufen dort eine Mietwohnung. Landwirtschaft wird von den Eigentümern nicht betrieben. Die zur Hufe gehörigen Ländereien sind verpachtet.

Zur Geschichte der Hufe VII

LPG-Ferienlager in Reddelich – Die Geschichte eines Bauernhofes

von Christina Marienfeldt und Klaus Kretschmann (aus Raducle Ausgabe 5 von 2007)

Rita Philipp, die sich mit der Geschichte des Hofes beschäftigt hat, erzählt:

Unser Hof wurde von dem Bauern Albert Frahm [Anm.: Johann Frahm] erbaut, aus dessen Ehe zwei Kinder hervorgingen. Der Sohn Heiner Frahm wurde Förster. Die Tochter Marianne Frahm heiratete den Landwirt Willi Kruth, den Bruder meiner Mutter. Willi und Marianne Kruth übernahmen im Jahre 1938 den Bauernhof, damals noch unter der Anschrift "Bauerngut Nr. 7" in Reddelich.

Rita und Peter Philipp berichten, dass die beiden Wirtschaftsgebäude nach und nach bis Anfang der 1930er Jahre errichtet wurden. Das an der Straße gelegene Stallgebäude diente als Pferde- und Kuhstall sowie als Scheune. Das hintere Gebäude war Schweinestall und Obstscheune. Im Wohnhaus wohnten im Erdgeschoß die Familie des Bauern und die des Altbauern. Im heute zu Wohnräumen umgestalteten Obergeschoß befanden sich früher das Getreidelager und die Räucherkammer.

Nach 1945 kamen auf dem Hof viele Flüchtlinge unter. 1953 flüchtete Willi Kruth mit Ehefrau selbst, und zwar in das Sauerland im Westen Deutschlands. Weil er dort aber nicht glücklich werden konnte, kehrte er nach einiger Zeit wieder nach Reddelich auf seinen Hof zurück. Später wurde er Genossenschaftsmitglied der hiesigen LPG und übte dort mehrere Jahre als anerkannter Landwirt eine leitende Stellung aus. Willi Kruth verstarb 1970. Das Ehepaar hatte keine Kinder.

Marianne Kruth konnte unter den damaligen wirtschaftlichen Verhältnissen die Gebäude auf dem Hof nicht unterhalten. Besonders die beiden Stallgebäude verfielen zusehends, da diese den Anforderungen an eine moderne Landwirtschaft nicht mehr entsprachen und darum keine Mittel für den Unterhalt der Ställe bereitgestellt wurden. 1976 verzog sie zu ihren Verwandten Rita und Peter Philipp, die für sie in Kröpelin eine Wohnung in ihrem eigenen Haus ausgebaut hatten. Zuvor verkaufte Marianne Kruth 1975 das Wohnhaus und die Stallgebäude an die LPG Mihla in Thüringen, die danach bis 1989 auf diesem Grundstück ein Ferienlager für die Kinder ihrer Genossenschaftsbauern betrieb.

Der ehemalige Schweinestall wurde nach und nach durch Mihlaer LPG-Bautrupps ausgebaut, so dass dort im Obergeschoss in mehreren Zimmern bis zu 30 Kinder pro Durchgang aufgenommen werden konnten. Parallel dazu wurden im Erdgeschoss des Gebäudes Zimmer für die Erzieher, Sanitärräume, eine kleine Küche, ein Speisesaal und zwei weitere Aufenthaltsräume für Sport und Spiel errichtet. Auch das ehemalige Bauernhaus wurde zu einem Gästehaus umgebaut.

Heute erinnert an dem Anwesen fast nichts mehr daran, dass hier einmal ein Ferienlager betrieben wurde. Nur die Fassade des ehemaligen Schweinestalles zeugt von den vorgenommenen Umbauten. Viel Kraft und Aufwand hat die Familie Philipp zunächst in die Rekonstruktion und den Ausbau des alten Bauernhauses gesteckt, das seit 1990 leer stand und dem Verfall preisgegeben war.

Erst 1997 konnten Rita und Peter Philipp das Erbe ihrer verstorbenen Tante Marianne Kruth antreten. Sie führten das ehemals genossenschaftliche Eigentum an Grund und Boden wieder in den Familienbesitz zurück und konnten die darauf befindlichen Gebäude gegen eine an die LPG Mihla zu zahlende Entschädigung zurückbekommen.

Das liebevoll wiederhergestellte ehemalige Bauernhaus bietet seit 1998 Platz für zwei großzügige Wohnungen. Neben der Familie Philipp wohnt noch die Familie Lothar Schetzior in dem Haus. Einen Teil des ehemaligen Pferdestalls nutzt Herr Schetzior für seine Kaninchenzucht. Er erzählt, dass er mit seinen prächtigen DEUTSCHEN RIESEN schon so manchen Pokal auf Ausstellungen gewonnen hat. (…)


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1953

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Das Wohnhaus der Hufe in einer undatierten Aufnahme [43]

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Das Wohnhaus 1997, vor Sanierung [43]

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Die ehemalige Hufe VII im Jahr 2007 [12]

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Das Wohnhaus in einer Aufnahme von 2007 [12]

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Die ehemalige Hufe VII im Jahr 2007 [12]

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Die ehemalige Hufe VII im Jahr 2007 [12]

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Die ehemalige Hufe VII im Jahr 1985 [54]

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Die ehemalige Hufe VII im Jahr 1985 [54]

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um 1925

Albert Frahm, mit Ehefrau sowie den Kindern Marianne (geb. 1913) und Heiner [43]

Artikel aktualisiert am 15.11.2019