Die Reddelicher Büdnerei № 17

Von Reinhold Griese (Recherche), Ulf Lübs (Layout).

Die alten Gebäude der Büdnerei, gelegen in der Alten Dorfstraße neben der ehemaligen Stellmacherei Susemihl, wurden Anfang 2012, bis auf die Stall-Scheune, abgerissen und die Hof- und Gartenfläche mit Eigenheimen bebaut. Das zur Büdnerei gehörende Land wurde bereits vorher verkauft, sodass die Geschichte der Büdnerei spätestens hier endet.

Grundbuchauszug von 1892

1891 brannten durch ein Großfeuer im Dorf die Erbpachthufen III und VI ab. Aus der Hofstelle der Hufe VI in der Dorfmitte entstanden die Büdnerei № 17 und die Häuslerei № 22. Die Büdnerei mit einer Größe von 2,17 ha erwarb der Fuhrmann Heinrich Schlutow. Im Grundbrief von 1892 wurde festgelegt, dass die Büdnerei nicht parzelliert und mit anderen Grundstücken zusammengelegt werden durfte. Nur der ungeteilte Besitz durfte vererbt werden.

Zur Volkszählung 1900 wohnten auf der Büdnerei:

  • Heinrich Schlutow (geb. 1848) mit Ehefrau Sophia Pett-Schlutow (geb. 1853) und Tochter Meta (geb. 1879) sowie der Tante Sophia Schoof (geb. 1818).
  • Der Landarbeiter Heinrich Papenhagen (geb. 1849) mit Ehefrau Henrika (geb. 1851).
  • Der Maurer Ludwig Schmidt (geb. 1841) mit Ehefrau Anna Schütt-Schmidt (geb. 1853) und Schwiegermutter Magaretha Schütt (geb. 1826).

Die Tochter von Heinrich Schlutow, Meta war mit Wilhelm Westphal (geb. 1876) verheiratet, der 1915 im I. Weltkrieg fiel. 1915 wurde auch der Sohn des Ehepaares, Otto geboren. 1911 wurde eine Mietwohnung angebaut und 1924 der Stall umgebaut. Otto Westphal, erhielt die Büdnerei im Jahr 1937 von seinem Großvater Heinrich Schlutow, der 1936 verstarb.

1945 lebten neben Otto Westphal mit Familie noch die Familie Schönfeld, die 1961 in die Häuslerei № 10 zog, auf der Büdnerei. Nach Kriegsende wurden dort einquartiert: Gustav und Berta Mertins mit Sohn Siegfried aus Ostpreußen.

1960 trat Otto Westphal der LPG (Typ I) REICHE ERNTE bei.

1984 starb Otto Westphal.

1985 kehrte Horst Westphal, Sohn von Otto Westphal, auf den elterlichen Hof zurück und machte sich 1990 mit Dienstleistungen rund um Elektronikartikel selbstständig. Landwirtschaft betrieb er keine mehr.

2010 starb Horst Westphal. Seine beiden Söhne waren zu diesem Zeitpunkt auswärts etabliert und hatten kein Interesse an dem Hof. Dort verfielen die Gebäude zusehends. 2011 wurde der Hof zwangsversteigert. Die neuen Eigentümer rissen das Wohnhaus ab und bauten dort ein modernes Einfamilienhaus. Bereits vorher wurden Teile des Grundstücks sowie die landwirtschaftliche Nutzfläche verkauft. Damit verlor das Anwesen seinen Büdnereicharakter

Artikel aktualisiert am 28.01.2020