Die Reddelicher Hufe VI

Von Reinhold Griese (Recherche), Ulf Lübs (Text, Layout).

Die ehemalige Hufe VI, an der Gemarkungsgrenze zu Glashagen gelegen und vielen als Hof Brinkmann bekannt, wird noch heute als Landwirtschaftsbetrieb bewirtschaftet.

Die Hufe in heutiger Ortslage

1741 wurde Jochim Bull, der mit Margarethe Ratken verheiratet war, Hauswirt. An Vieh hatten sie sechs Pferde, zwei Füllen, vier Ochsen, zwei Kühe, ein Stier, eine Starke, vier Schafe, sechs Schweine, fünf Gänse und sechs Hühner. An Hofwehr waren u. a. zwei Wagen, ein mit Eisen beschlagener Pflug und zwei Haken registriert.

In der Grundliste aller leibeigenen Untertanen im Amte von Doberan von 1753 wurden für die Hufe VI aufgeführt:

Im Wohnhaus:

  • Der Hauswirt Jochim Bull (1737-1783) und seine Frau Margarethe mit den Kindern: Johann (6), Maria (3)und Jochim (6 Monate);
  • das Gesinde Jochim Wendt aus Brodhagen, Clas Berens aus Steffenshagen (19), Catharina Garven (20) und Dorothea Bull;

Im Katen des Gehöftes:

  • Die Schwiegermutter des Hauswirts, Anna Fick (60), verwitwete Ratken, die Kinder Maria Ratken, mit Hans Bull verheiratet; Thies Ratken (40)

1783 übernahm der dritte Sohn, Hans Heinrich Bull (geb. 1754) die Hofstelle. Die Einweisung des neuen Besitzers und die Aufnahme des Inventars geschahen in Gegenwart des Domänenpächters Hagemeister von Vorderbollhagen. Der Viehbestand hatte sich gegenüber 1741 erheblich erweitert.

1818 übergab Hans Heinrich Bull die Wirtschaft, obwohl ihm bereits 1810 angeraten wurde, aufs Altenteil zu gehen. Sein Schwiegersohn, der Knecht Johann Westendorf, Sohn des Hauswirtes Westendorf aus Glashagen, wurde sein Nachfolger. Im Protokoll wurde der Zustand der Gebäude festgehalten. Es waren ein Wohnhaus mit sechs Fach, Scheune mit fünf Fach, Altenteilkaten mit drei Fach und Wagenscheuer mit drei Fach vorhanden.

1834 verstarb Johann Westendorf. Bis zur Volljährigkeit des Sohnes Johann jun., der erst 16 Jahre alt war, übernahm Johann Waack als Interimshauswirt die Stelle. Johann Waack hatte die Witwe Anna Westendorf, geb. Bull, im selben Jahr geheiratet. Das Gehöft war schuldenfrei. Das Inventar wurde unter Zeugen (Schulze Uplegger und Hauswirt Masch) aufgenommen.

1842 trat Johann Westendorf jun. sein Erbe an. Da Johann Waack nur wenige Jahre als Interimswirt gewirkt hatte, bekam er nur ein halbes Altenteil.

1867, zur Volkszählung, lebten im Bauernhaus der Hufe:

  • Der Hauswirt Johann Westendorf (geb. 1817) mit Ehefrau Elisa (geb. 1823) und den Kindern Maria (geb. 1847), Joachim (geb. 1850), Heinrich (geb. 1851), Johann (geb. 1856) und Christian (geb. 1860);
  • Das Dienstmädchen Maria Range (geb. 1849 ) und
  • Der Einlieger Johann Penzin (geb. 1815) mit Ehefrau Sophia (geb. 1805 ), in Hundhagen hielt sich am Zähltag Johann Penzin (geb. 1846) auf;

Im Katen des Gehöftes:

  • Der Altenteiler Johann Waack (geb. 1796) mit Ehefrau Maria (geb. 1798 );
  • Der Einlieger Petter Westendorf (geb. 1831) mit Ehefrau Sophia (geb. 1839) sowie den Söhnen Johann (geb. 1859) und Heinrich (geb. 1866);
  • Die Wittwe Maria Schrödern (geb. 1816).

Im Jahre 1874 erhielt Johann Westendorf einen Erbpachtvertrag über eine Größe der Ländereien von 57 ha, 86 a und 42 m². Das Erbabstandsgeld betrug 22.300 Mark.

Im April 1891 brannte die Hofstelle im Dorf ab.

Ursprünglich befand sich der Hof der Hufe im Dorfzentrum, dem Standort der Büdnerei № 17 (Westphal). In Folge des Großbrandes von 1891 entschloss sich der Bauer Westendorf, den Hof der Bauernstelle nicht mehr im beengten Dorfzentrum aufzubauen. Der Acker der Hufe lag zwischen dem Glashäger Weg und der Brusower Grenze. Um dorthin zu gelangen, musste der Bauer mittlerweile Umwege in Kauf nehmen und die Chaussee und Bahngleise überqueren. Daher wurde der Brandschaden zum Anlass genommen, das Gehöft auf seinem jetzigen Standort in der Feldmark zu errichten. Das Grundstück im Ortskern wurde verkauft. In der Gehöftsakte steht, datiert auf den 7. September 1891:

Der Erbpächter Weſtendorf zu Reddelich hat, nachdem die Hofſtelle ſeines Erbpachtgehöftes Nr. 6 daſelbſt im Monat April (29.) des Jahres ohne ſein Verschulden faſt vollſtändig abgebrannt iſt und er eine neue Hofſtelle außerhalb des Dorfes aufgebaut hat, die getrennt von der übrigen Hufe im Dorf belegene Hofſtelle mit angrenzenden Flächen in den Nummern 151 bis 158 von zuſammen 1073 Q-Ruten: 85 Q-Ruten an den Stellmacher Fritz Köpcke zu Reddelich als Häuslerei Nr. 22, den Reſt der Fläche von 988 Q-Ruten den Fuhrmann Heinrich Schlutow daſelbſt als Büdnerei Nr. 17 verleihen zu wollen.

[14]

Die Hofstelle verkleinerte sich daurch den Umzug auf 25.612,4 Q-Ruten (54 Hektar). Westendorf bat um die Herabsetzung der Hufensteuer.

1896 wurde die Bauernstelle an den Wirtschafter Albrecht Brinckmann aus Dorf Lütten-Klein für 75.000 Mark (Hufe 63.000 Mark und Inventar 12.000 Mark) verkauft.

Zur Volkszählung 1900 lebten im Bauernhaus:

  • Der Bauer Albrecht Brinckmann (geb. 1867) mit Ehefrau Meta (geb. 1875) und den Söhnen Albrecht (geb. 1897) und Paul (geb. 1897);
  • Der Vater des Bauern Heinrich Brinckmann (geb. 1830);
  • Die Knechte Otto Krohn (geb. 1882) und Wilhelm Frahm (geb. 1886) sowie
  • Die Dienstmädchen Pauline Körner (geb. 1883) und Auguste Bartels (geb. 1885).

1925 wurde das Erbabstandsgeld auf 5.575,50 Goldmark aufgewertet.

1927 wurde das Wohnhaus, nach einem Brand, aufgestockt.

1928 ein Sägewerk gebaut, das bis zu 28 Sägeblätter gleichzeitig aufnehmen konnte. Es wurden vor allem Sensenstreicher aus Buchenholz hergestellt.

Im Jahre 1930 wurde ein weiterer Albrecht der Familie geboren. Zur Unterscheidung wurde er von allen nur "Ali" genannt.

Im Jahr 1939 übernahm Albrecht Brinckmann jun. den Bauernhof.

1945 lebten auf dem Hof:

  • Der Eigentümer Albrecht Brinkmann mit Ehefrau und den Kindern Albrecht und Helga (verh. Gudacker).
  • Die Kriegsflüchtlinge: August und Meta Wesche aus Schlesien, Emma und Paul Steffen aus Ostpreußen, Familie Janz (Rudolf, Anna, Karin, Dagmar) aus Ostpreußen, Erwin Kort mit Ehefrau und Eltern aus Ostpreußen, August Karl mit Frau Mina und Tochter Minna aus Schlesien sowie Familie Doese (Karl, Ilse, Marlis, Friedhelm, Karl-Gerhard) aus Pommern.

Nach der Schule absolvierte Ali eine dreijährige Landwirtschaftslehre auf dem Hof seines Vaters. 1950/51 besuchte er die Landwirtschaftliche Schule in Bad Doberan. Anschließend machte er bis 1955 ein Fernstudium in Weimar.

Im Juni 1953 sind Albrechts Eltern mit seiner Schwester Helga nach Westdeutschland gegangen. Er selbst blieb mit seiner Großmutter in Reddelich und kümmerte sich um den Hof. Wie viele andere fand die Familie im Westen keinen festen Halt und kehrte 1954 nach Reddelich zurück. Ab 1956 war Ali Brinckmann Landwirtschaftslehrer. Sein Vater Albrecht trat 1959 der LPG bei und arbeitete als Schweinezüchter.

Ali gründete eine Familie und lebte bis zu seinem Tod 2014 in Rostock. Nach dem Tod von Albrecht Brinkmann wurde der Hof mit Gebäuden an die Gemeinde verkauft. Das Land, das von der LPG bewirtschaftet wurde, erbte Ali. Dieser widerum vererbte es an seiner ältesten Tochter Ina.


Nach Beitritt zur BRD wurde das Hofgrundstück von der ältesten Tochter von Ali Brinkmann, Ina Brinkmann gemeinsam mit ihrem Ehemann Ulrich (Uli) Kruth zurückgekauft. Das zur Bauernstelle gehörende Land wurde aus der LPG herausgenommen und von den Eheleuten Kruth/Brinkmann vom Wirtschaftshof aus landwirtschaftlich genutzt. Damit wurde die ehemalige Hufe VI wieder zu einer wirtschaftlichen Einheit zusammengefügt.

Die Eheleute Kruth starben in den 1990er Jahren. Um die Kredite zu tilgen musste der Wirtschaftshof verkauft werden. Das Land erbte der Sohn von Ina Brinkmann und Ulrich Kruth, Richard Kruth, der mit Erbantritt noch unmündig war. Das Land wurde an einen ortsansässigen Landwirt verpachtet.

Artikel aktualisiert am 01.03.2020