Pferdezucht in Reddelich

von Ulf Lübs

Wie in anderen Landesteilen auch, war für die Bauern unserer Gemeinde die Pferdezucht eine der anspruchsvollsten Spezialisierungsrichtungen, aber auch eine der lukrativsten. Pferdezucht war im Mecklenburg des 18. Jahrhunderts geprägt von einer großen Nachfrage nach den robusten und universell einsetzbaren Pferderassen, die für unsere Region charakteristisch waren.

Wie so oft im Leben führte die große Nachfrage dazu, dass eine einseitige Ausrichtung auf Massenproduktion und Profit zu einer Vernachlässigung des züchterischen Qualität und Weiterentwicklung bewirkte. Während unsere Nachbarländer u. a. durch die Gründung von Landesgestüten die Pferdezucht von höchster Stelle förderten, hatte Mecklenburg Anfang des 19. Jahrhunderts seine hervorragende Reputation auf diesem Gebiet weitestgehend verloren. Dies wurde auch am herzoglichen Hof in Schwerin erkannt, und man begann, durch die Gründung des Landesgestüts in Redefin, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. In diesem Kontext steht auch die Gründung eines Verein zur Förderung der Pferdezucht mit dem Herzog als Schirmherren im Jahr 1822. Dieser Verein initiierte den Bau von Pferderennbahnen, bei denen die vorhandene Doberaner Anlage ab 1827 professionell ausgebaut wurde. Als Erste ihrer Art auf dem Kontinent, besitzt sie noch heute überregionale Bedeutung.

Das Kalkül hinter dieser Anlage, fern ab von renommierten Gestüten, war die Notwendigkeit zur schrittweisen Einkreuzung von Vollblutpferden in die vorhandenen Mecklenburger Arbeitspferderassen der Hauswirte und Domänenpächter. Dazu waren Pferderennen unter ihresgleichen ein riesen Anreiz. Hochkarätig besetzte und entsprechen hoch dotierte Vollblüterrennen waren gewissermaßen der Köder für hiesige Pferdezüchter.
Eine Rechnung, die offensichtlich aufging. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hatten Pferde aus Mecklenburg wieder einen exzellenten Ruf. Unterstehender Ausriss eines Berichtes von einer Doberaner Großveranstaltung mit deutschlandweiter und internationaler Beteiligung, im Jahr 1841, ist ein Beleg dafür. (siehe Anhang)

Bekannt ist, dass der Hauswirt der Reddelicher Hufe I sich in der Pferdezucht engagierte. Nicht belegt, aber wahrscheinlich ist seine maßgebliche Beteiligung an den Feierlichkeiten vom 10. August 1807. In der Chronik des Doberaner Rennverein e. V. von 1822 ist für diesen Tag vermerkt:

Rückkehr des Herzogs nach Doberan aus dem durch die napoleonische Besetzung weiter Teile Deutschlands erzwungenen, siebenmonatigen Exil im dänischen Altona; Empfang des Herzogs durch die Bevölkerung mit Reitvorführungen in Reddelich bei Doberan

Durch den volksfestartigen Charakter der jährlichen Pferderennen in Doberan, kursieren noch heute in den alteingesessenen Familien Reddelichs und Brodhagen viele Anekdoten und Geschichten rund um die Doberaner Rennbahn. Immerhin wurden im Jahr 1863 in Reddelich 43, und in Brodhagen 28 Pferde gezählt.

Anhang

1841 fand in Doberan die Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe statt. Diese war eine Großveranstaltung mit deutschlandweiter Beteiligung und internationalen Gästen.
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Fafsimile Pferdezucht-0

aus dem Bericht von der Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe
Artikel aktualisiert am 26.02.2020