1986: Erstellung einer Ortsgestaltungskonzeption

Mitte der 1980er Jahre waren die Kommunen angehalten, Ortsgestaltungskonzeptionen zu entwickeln. In diese wurden Überlegungen paraphiert, wie und wohin sich die Gemeinden mittel- bis langfristig entwickeln wollten. Für die Gemeinde Reddelich waren dies für lange Zeit die letzten konzeptionellen Überlegungen, die auf einer breiten Basis innerhalb der Gemeinde beruhten. Spätere Entwicklungen fanden eher zufällig und sporadisch statt oder waren von außerhalb der Gemeinde gesteuert.

Ein Original der über 20-seitigen Konzeption von 1986 liegt im Kreisarchiv zur öffentlichen Ansicht. Eine Ablichtung steht der AG Chronik zur Verfügung und kann Interessenten gerne überlassen werden.

In der Präambel der Konzeption formulierte die Gemeindevertretung damals sinngemäß:

  • Die wirtschaftliche Basis der Gemeindeentwicklung sollte die Landwirtschaft, insbesondere die Tierproduktion bleiben. Die dazu vorhandene Bausubstanz sollte systematisch und kontinuierlich den Erfordernissen angepasst werden.
  • Der dörfliche Charakter von Reddelich und Brodhagen sollte erhalten bleiben.
  • In Reddelich ist ein kulturelles, sportliches und politisches Gemeindezentrum zu entwickeln.
  • Zur Verbesserung der Wohnverhältnisse war vorrangig alte Bausubstanz zu modernisieren.
  • Die Straßen der Gemeinde sollten mit Gehwegen ausgestattet und die Vorhandenen instand gesetzt werden.
  • Auf ein insgesamt schöneres Dorfbild war, insbesondere im Bereich der Hauptstraßen, Augenmerk zu legen.
  • Reddelich sollte eine "grüne Gemeinde" bleiben. Neuanpflanzungen waren vorrangig als Windschutz für Produktionsanlagen vorzunehmen.

Der Textteil wurde mit der Beschreibung des Gemeindeverbandes Kühlung eingeleitet, dessen Gründungsmitglied Reddelich 1972 war. Innerhalb des Verbandes wurden die Städte Kröpelin, Kühlungsborn und Rerik als Siedlungszentren gefördert. Das bedeutet, das auch für Reddelich kein gravierender Wohnungsneubau und eine einhergehendes Einwohnerwachstum geplant war. Schwerpunkt war die Verbesserung der Lebensverhältnisse der damals etwa 540 Einwohner der Gemeinde. Von denen lebten in:

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Immerhin wurde auch dem Dorf Brodhagen eine Entwicklung zugestanden. Damit waren Planspiele der 1970er Jahre, wonach Brodhagen langfristig als Siedlungsstandort aufgegeben werden sollte, vom Tisch.

Größter Arbeitgeber in der Gemeinde war die LPG (T) Immer Bereit Steffenshagen, die ihren Sitz in Reddelich hatte. Dort waren 131 Personen beschäftigt. 8 Gemeindemitglieder arbeiteten in der LPG (P) Kühlung, die ihren Sitz in Kröpelin hatte und die Ackerbauflächen der Gemeinde bewirtschaftete. In privaten Betrieben arbeiteten:

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Auch wenn der wohnungswirtschaftliche Schwerpunkt auf Instandsetzung und Modernisierung lag, war für Reddelich der Neubau von 9 Eigenheimen, verteilt auf 3 bis 4 Jahre vorgesehen. Der wohnungspolitische Schwerpunkt in Brodhagen war die Instandsetzung des Gutshauses und dessen Ausbau zu modernen Wohnungen.

Als gesellschaftliche Einrichtungen wurden benannt:

  • 2 Konsum-Verkaufsstellen, die für ausreichend befunden wurden.
  • Eine Gaststätte, die in keiner Weise den Anforderungen entsprach. Dafür waren grundlegende Verbesserungen zu planen.
  • Kindergarten mit 18 Plätzen und Krippe mit 6 Plätzen wurden näher kommentiert, wie auch
  • eine Post- und Annahmestelle für Dienstleistungen.
  • 2 Jugendklubs und eine Bibliothek mit – immerhin – 350 Bänden waren erwähnenswert.

Zur Landschaftsgestaltung steht in der Konzeption:

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Die Instandsetzung der Straßen wurde als Zukunftsaufgabe erkannt. Einen guten Zustand wies eigentlich nur die F 105 auf. Seinerzeit sollte auch der Landweg nach Stülow in die Wegebauplanung aufgenommen werden.
Bereits in Planung war zum Zeitpunkt der Konzeptionserstellung der Bau einer zentralen Abwasseraufbereitung für Reddelich.
Die Versorgung mit Elektroenergie und Trinkwasser wurde als hinreichend dargestellt.
Reddelich sollte auch als Haltepunkt der Deutschen Reichsbahn erhalten bleiben.

Für die Vorbereitung der Konzeption zur Beschlussfassung und zur Koordination mit den zuständigen Stellen des Rat des Kreises wurde eine Arbeitsgruppe gebildet. Diese war in vier Fachbereiche gegliedert, mit den Verantwortlichen:

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Im Vergleich zu Konzeptionen anderer Gemeinden, ist die Reddelicher erstaunlich sachlich abgefasst. Elogen auf Partei, Regierung und das sowjetische "Brudervolk" findet man in ihr genauso wenig wie Hetze gegen eine "imperialistische Verschwörung gegen die Errungenschaften des Sozialismus".
Verantwortlicher Bürgermeister für die Erstellung der Konzeption war Siegfried Marquardt.

Bildteil der Konzeption:
Artikel aktualisiert am 15.03.2020